Die Zeitlosen - Theater aus Soltau

Er wurde nicht entführt, damit er Kartoffeln schält

Theatergruppe „Die Zeitlosen" spielt „Der Tag, an dem der Papst entführt wurde" 

Soltau. Dieser Titel könnte gegenwärtig so in der Bild-Zeitung stehen, so aktuell kam das mehr als 40 Jahre alte Stück „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde" von Joao Bethencourt daher. Die Aula war der Schauplatz dieses Verbrechens, für das sich viel Publikum am ersten Abend begeisterte. Vor fast vollem Haus spielten der entführende New Yorker Taxifahrer Samuel Leibowitz (Volker Thürasch) und seine Ehefrau Sara (Petra Runde) so überzeugend, wie es besser nicht sein konnte. Er, der friedliebende, wortwitzige Familienernährer, forderte als Lösegeld 24 Stunden Weltfrieden, setzte aber im Kampf gegen Gartenameisen Dynamit ein. Diesem verqueren, liebenswert meschuggen Juden hauchte Thürasch bewundernswert echtes Leben ein: „Ich habe ihn doch nicht gekidnappt, damit er dir die Kartoffeln schält", sagt er zu seiner Ehefrau.Die hinreißende Ehefrau Sara vereinte die zweifelnde, liebende und wortgewandte Hausfrau: „Der pflanzt Dynamit, wie immer", antwortet sie auf die Frage nach Sam. Tochter Annie (Ina Trosin) belustigte die Szenerie, weil dieser Typ „aufmüpfige Jugendliche" den Zeitgeist erschreckend genau traf. Samuels Mutter Miriam (Karin Hagen), überzeugte als die über den Dingen stehende Haus- und Hofgroßmutter. Eine Kombination, deren Wortwitz auch vom Publikum spontan mit Applaus belohnt wurde.Als die Frauen den Papst in der Speisekammer entdeckten, beschwerte sich Samuel: „Ich mache nichts richtig für euch, immer bin ich euer Trump." Wichtigste Person war der Papst, von Thomas Streich sehr würdevoll verkörpert. Oliver Bierwag war der ideale, schlitzohrig neugierige und logische Rabbi Meyer, der seinen Cousin für Geld an Sheriff Warner (Mario Meinecke)verrät. Der mutierte von der Gangnam-Style tanzenden Krabbe im Vorjahr zum strippenden New Yorker Sheriff - welch eine Karriere. Der freundliche Frank Martin Saß spielte den verbissenen Kardinal O'Hara, Gastgeber des Papstes.Gekonnt Regie führte Michael Böltz. Der Friedenstag wurde im Stück wirklich durchgeführt,und der dankbare Papst Albert IV. - Sara durfte ihn Angelo nennen - lud die liebgewonnene Familie Leibowitz nach Italien ein. Eine wunderbare, abendfüllende Vorstellung von einer flügge gewordenen Theatertruppe. sib834546 

BZ November 2016