Die Zeitlosen - Theater aus Soltau

Asche und Aquavit (2009)

Bewährungsprobe Geldgier

Theatergruppe Die Zeitlosen überzeugt mit Perfektion bei Asche und Aquavit

akü Soltau. Eine grandiose Leistung boten jetzt die Schauspieler der Laiengruppe Die Zeitlosen mit ihrem Gastspiel „Asche und Aquavit" in der Aula des Soltauer Gymnasiums. Vor ausverkauften! Haus demonstrierten die Akteure professionelles Boulevardtheater und gaben dabei eindrucksvoll Beispiel ihres Könnens.
Bärbel Schulz brillierte als nachdenkliche Witwe Vera Malmgren, die stürmisch die Beisetzungsfeier ihres Mannes mit der Urne in der Hand verlässt und aufbegehrt. Resolut, aber immer von Trauer um den alten Oberst Malmgren belegt, wehrt sie sich gegen die Ansprüche ihrer skrupellosen Ex-Schwiegertochter Ester Mickelson (Erika Dobbrick), ihren dem Alkohol verfallenen Sohn Robert (Volker Thürasch) und ihre scheinheilig-rührselige Tochter Annika (Petra Runde), die scharf auf das Erbe sind und Mutter Malmgren allzugern entmündigen lassen wollen.
Bemerkenswerter Monolog
Bärbel Schulz spielt überzeugend den Charakter, der hin- und hergerissen zwischen Anstand und eigenen, verfehlten Lebenszielen steht. Bemerkenswert ist ihr minutenlanger, authentisch wirkender Monolog darauf allein vor dem Publikum.
Völlig abgeklärt stellt sich Ester Mickelson dar. Zynisch und geldgierig wird sie bestens von Erika Dobbrick dargestellt. Das Publikum schwankt zwischen Abscheu und dem Erstaunen vor soviel Abgebrühtheit. Volker Thürasch versteht es bestens in der Beliebigkeit Roberts aufzugehen. Ihm ist eigentlich alles egal, Hauptsache er hat seine Ruhe und genug zu Trinken. Wie rührselig sich Annika selbst über ihre egoistischen Ziele hinwegtäuscht, der Mutter einen völlig überflüssigen Brotbackautomaten schenkt, um selbst dem Hobby nachgehen zu können; alles das passt ins Bild der scheinbar besorgten Tochter, die von Petra Runde dargestellt wird.
Ines Dobrindt hält als etwas einfältige Haushaltshilfe Kirsti Makkonen gemeinsam mit Bärbel Schulz die Geschichte zusammen. Ihre Dialoge geben Aufschluss über die Vergangenheit. Doch so einfältig und ahnungslos, wie sie sich zeigt, ist Kirsti gar nicht. Als alternde Jugendliebe gibt sich Sören Bein alias Viktor Barkmann schließlich zu erkennen und erntet anerkennenden Beifall für seine gute Darstellung. Richard Rhyßen soll als leicht durchgeknallter Psychiater Fredrik Lövgren die Witwe auf ihre Zurechnungsfähigkeit überprüfen und bringt damit ganz locker die Fröhlichkeit in das Stück.
Wer die Laienschauspieler noch einmal sehen möchte, hat am Freitag und Sonnabend, 23. und 24. Oktober, jeweils ab 20 Uhr in der Aula des Gymnasiums die Möglichkeit dazu. Es lohnt sich.

(Text Böhme-Zeitung 21.10.09)