Die Zeitlosen - Theater aus Soltau

Augen zu und durch (2001)

Die Zeitlosen spielen „Augen zu und durch“

Mütter sind manchmal schwierige Wesen, vor allem dann, wenn es um die eigenen Söhne geht, die sie – mögen sie auch noch so erwachsen und selbständig sein – am liebsten noch wickeln möchten.
Vera Swift ist so eine Mutter, die – leicht überkandidelt – glaubt, alles zu wissen und alles richtig zu machen. Aber weiß sie wirklich alles? Weiß sie, daß ihr Sohn Robert schwul ist, daß er, dem die Mädchen eigentlich scharenweise nachlaufen müßten, „in Liebe“ mit seinem Geschäftspartner und Freund Jeffrey Shotter verbunden ist? Sie weiß es natürlich nicht, denn der wohlinformierte Rest der Familie verschweigt es ihr.
Und das sorgt für eine Menge Aufregung in der Familie, niedergeschrieben in der Komödie „Augen zu und durch“ von Jimmie Chinn, die am Wochenende in zwei gut besuchten Aufführungen von der Soltauer Theatergruppe „Die Zeitlosen“ in der Aula des Gymnasiums Soltau mit viel Spielfreude in Szene gesetzt wurde. Unter der Regie von Werner Küttner agierten Volker Türasch als Robert, der gekonnt auch die Rolle des „Erzählers Robert“ übernahm. Ein dramaturgisch kluger Einfall, denn so ufert das familiäre Chaos, das sich in der Wohnung von Bob und Jeff (dargestellt von Niels Kaden) abspielt, nicht in Klamauk
aus. Zum Vorteil auch für das Publikum, das auf diese Weise einige Stärken und viele Schwächen der Familienmitglieder kennenlernt, so von Roberts Schwestern Nona (Erika Dobbrick) und Lois (Ines Marquardt), die zum vierten Mal schwanger ist, und deren recht einfältigen Ehemännern Arthur (Tom Ludwig), der gerade mit Brenda, einer Drogistin, durchgebrannt ist, aber schon bald wieder in die Arme seiner Gemahlin zurückkehrt, und Bill (Frank-Martin Saß), einem denkfaulen Familienvater.
Das Spiel beginnt, als Bob und Jeff Urlaub auf Malta machen, um sich zu erholen und einmal in Ruhe auszusprechen. Allerdings droht eine weibliche Person das Glück der beiden zu zerstören. Nach Hause zurückgekehrt, eskaliert der Konflikt. Allerdings kriselt es nicht nur zwischen Bob und Jeff. Auch die anderen Familienmitglieder haben ihre kleinen und größeren Probleme. Beispielsweise Nona, die ihrem Arthur nachtrauert. Und mittendrin die hektische Mutter Vera, die händeringend ihren Sohn Bob davon zu überzeugen sucht, sich endlich mal ein Mädchen zu angeln . . .
Keine Frage, „Augen zu und durch“ ist mehr als eine Komödie. Regisseur Küttner: „Hinter all dem Chaos, hinter aller Abkehr von der Normalität erkennen wir ein Bestreben der Personen, sich eine vertraute Welt, eine Anerkennung, eine Sicherheit zu schaffen – kurz: Konflikten aus dem Weg zu gehen und sich den gesellschaftlichen Zwängen anzupassen.“
„Bob, sind wir normal?“ fragt Jeff verzweifelt seinen Partner Bob. Eine Frage, die heute eigentlich nicht mehr gestellt werden dürfte. Homosexuelle sind „normal“. Aber ist es auch die Gesellschaft, die in Teilen immer noch auf überholte Normen setzt? Die Komödie „Augen zu und durch“ (Originaltitel: „Straight and Narrow“), gibt zwar keine endgültige Antwort, hinter der turbulenten Handlung verbirgt sich allerdings viel Wahrheit, die zum Nachdenken anregt.
Der Besuch der Komödie „Augen zu und durch“ lohnt. Gelegenheit dazu bietet sich noch einmal am Freitag, 23. März. Um 19.30 Uhr gibt es eine weitere Vorstellung im Bugenhagenhaus in Soltau.

Quelle Böhme-Zeitung Soltau