Die Zeitlosen - Theater aus Soltau

Ein fast perfekter Abgang (2006)

Zeitlose mit viel Humor

Die Theatergruppe Die Zeitlosen brillierte in dem Stück „Ein fast perfekter Abgang" in Soltau mit rabenschwarzem Humor.

Ernstes Thema mit komischer Seite

Laienensemble Die Zeitlosen mit „Ein fast perfekter Abgang" in der Aula des Soltauer Gymnasiums
„Warum können die Leute nicht begreifen, dass jemand, der sich umbringen will, es in Ruhe tun möchte?" - Genervt muss der Philosophieprofessor David Freeman feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, zu einem selbst gewählten Zeitpunkt aus dem Leben zu scheiden, wenn man ständig von Freunden und Kollegen gestört wird.

Etwa 300 Zuschauer erlebten am Freitag in der Aula des Gymnasiums eine überaus gelungene und vergnügliche Premiere des neuen Stücks der Zeitlosen in Soltau. Das Laienspielensemble präsentierte mit „Ein fast perfekter Abgang" von Ben Brown eine Komödie mit rabenschwarzem, teils deftigem Humor, gespickt mit philosophischen Einlagen, und bewies, dass man einem ernsten Thema durchaus eine komische Seite abgewinnen kann.

David Freeman, gespielt von Sören Bein, ist Dozent an einer englischen Universität. Die Handlung setzt an dem Punkt ein, als er in seiner Wohnung gerade die Vorbereitungen für seinen Selbstmord trifft. Freeman sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben, betrachtet sich selbst als beruflich und privat gescheitert: Sein philosophisches Hauptwerk „Leben und Sterben" findet scheinbar keine Anerkennung. Zudem ist der wichtigste Mensch in seinem Leben, seine geliebte Mutter, zwei Monate zuvor verstorben. Sein Beruf sowie alles, was ihm bisher Vergnügen bereitete, langweilen ihn jetzt. Doch sein „perfekter Abgang" wird durch einen Anruf seines sexbesessenen Kollegen und Freundes Ronny (Volker Thürasch), der dringend Davids Hilfe braucht, und das Erscheinen des Hauselektrikers Bob (Richard Rhyßen), der die Leitungen überprüfen will, zunächst verhindert. Zudem sieht sich David bald mit unangemeldeten Besuchern konfrontiert: mit der amerikanische Studentin Laura (Melanie Reschke), mit Ronny, der plötzlich vor der Tür steht, mit Kaplan Tom (Thomas Reichel) und der in David verliebten Bibliothekarin Margaret (Kirsten Wierstorf). Zu allem Überfluss hat Davids rachsüchtige Ex-Frau Penelope ihn in ihrer gerade erschienenen Autobiographie als Muttersöhnchen bezeichnet, der sich mehr für seinen Hund als für seine Frau interessiert habe, und ihn damit ins Interesse der Medien, genauer der aufdringlichen Journalistin Joanna Smart (Ines Dobrindt) gerückt, die dann ebenfalls in seiner Wohnung auftaucht, um ihn zu interviewen. Sie alle wirbeln Davids Plan gehörig durcheinander und tragen schließlich dazu bei, dass der Philosophie-Professor seine Selbstmordgedanken fallen lässt. Doch das Stück wäre keine schwarze Komödie, wenn am Ende nicht alles anders käme, als man glaubt...
Unter der Regie von Werner Küttner bewiesen die Darsteller ihr schauspielerisches Talent und bescherten dem Publikum einen zeitlos schönen Abend, gewürzt mit amüsanten Dialogen und Situationskomik. Zum Gelingen der Inszenierung trugen zudem das liebevoll ausgestattete Bühnenbild und der gekonnte Einsatz von Licht- und Tontechnik bei.

Text von Stefanie Note-Buß (Böhme-Zeitung 21.3.06)