Die Zeitlosen - Theater aus Soltau

Hilfe, das Volk kommt (2007)

Theater in der Soltauer Aula

„Die Zeitlosen“ präsentierten Stück von Dario Fo

Die groteske Komödie "Hilfe, das Volk kommt!" des italienischen Literaturnobelpreisträgers Dario Fo war das achte Theaterstück, das „Die Zeitlosen" in Soltau auf die Bühne brachten.
Unter der Regie von Werner Küttner sorgten die Hauptdarsteller Melanie Reschke und Volker Thürasch vergangenen Freitag und Samstag in der Aula des Gymnasiums für ein turbulentes Geschehen:
Zunächst soll ein Richter und Mafia-Jäger (Volker Thürasch) mit einer Autobombe ins Jenseits befördert werden, dann taucht seine Freundin (Cindy Franitzek) auf, die damit beschäftigt ist, geheime Ermittlungsakten an Berlusconis Fernsehstationen zu verscherbeln, und schließlich entgehen beide nur knapp einem Gift-Anschlag. Außerdem bringt die vermeintliche, weibliche Leibwache (Melanie Reschke und Bärbel Schulz) des Richters einiges durcheinander.
Während auf das Haus des Richters noch mit einer Rakete geschossen wird, erscheint auch schon ein weiteres Polizeimitglied der Finanzpolizei (Frank Martin Saß) auf der Bühne, um seinerseits den Richter wegen illegaler Geldgeschäfte zu verhaften. Diese Amtshandlung endet für den Polizisten tödlich: er wird erschossen und kurzerhand in den Kleiderschrank gehängt.
In unerschütterlicher Ruhe präsentierte sich der Buddha (Gerd Penner), der als "Majolika-Figur" in absoluter Bewegungslosigkeit ausharrte, bis auch ihn eine Mafia-Kugel traf.
Inzwischen wird auf den Richter aus allen Rohren das Feuer eröffnet. Während er verzweifelt bemüht ist, sein Leben zu retten, geschehen auf der politischen Bühne allerhand unvorstellbare Ereignisse:
Ein Massenmord an führenden Vertretern der italienischen Industrie, wobei der wichtige Kronzeuge Saravaglia (Richard Rhyßen) von seinem Chauffeur (Dirk Hammer) zunächst schwerverletzt in die Wohnung des Richters gebracht werden kann. Dieser ist in seiner Freizeit zwar nur Tierarzt, macht aber eine Ausnahme und versucht in einer dramatischen Operation mit Transplantationen von Tierorganen seinen Zeugen zu retten. Unterstützung erhält er dabei von seiner Assistentin (Melanie Nagel).
Außerdem kommt es zum Staatsstreich, der mit dem Rücktritt des Papstes und des Staatspräsidenten endet. Als das politische Chaos auf seinen Höhepunkt zusteuert, steigen die beiden Hauptdarsteller plötzlich aus ihrer Schauspieler-Rolle aus und beginnen einen Streit über den Ausgang des Stückes.
Soll das Spiel die Zuschauer beruhigen oder sie gegen die Verhältnisse aufbringen? Kann der Zuschauer erwarten, dass das einfache Volk gegen die korrupten und mafiösen Zustände im Staat auf die Barrikaden geht?
Dario Fo beendet sein Stück nicht mit einem erhobenen Zeigefinger oder einer Aufforderung, sondern damit, dem Zuschauer selbst den Schluss zu überlassen; auch bei ihm bleibt "der Vorhang zu und alle Fragen offen".
Alle Schauspieler überzeugten durch eine der grotesken Handlung angemessenen Leistung und trugen gekonnt auch längere Textpassagen vor. Hierfür und für zahlreiche Gags erhielten sie neben dem Schlussapplaus viel Szenenbeifall von dem begeisterten Publikum.

Text Lena Rhyssen (BöhmeZeitung)