Die Zeitlosen - Theater aus Soltau

Überwältigende Premiere

Fast 600 Zuschauer verfolgen über alle Maßen begeistert das Musical der Zeitlosen

akü Soltau. Die Türen des Zuschauerraumes in der Aula des Soltauer Gymnasiums öffnen sich. Gespannt sehen die fast 600 Zuschauer dem kleinen Leichenzug zu, der unter Führung eines Dudelsackspielers zur Bühne strebt. Nachdem sich die Trauernden vorm imaginären Grab im Souffleurkasten verneigt und weiße Rosen hineingeworfen haben, beginnt das eigentliche Schauspiel der Theatergruppe Die Zeitlosen. Es geht um den Nachlass von Johann Hardenberg (aus dem Off gesprochen von Uwe Wunderlich).
Der Lebemann und Millionär fordert neun Freunde und Hausangestellte im ersten Teil seines Testaments auf, sich von seinen vielen Erinnerungsstücken auf dem Dachboden die schönsten auszusuchen und aufzuräumen. Eine Reise in die eigene und die Vergangenheit mit Hardenberg beginnt. Die möglichen Erben träumen von einer unbeschwerten Zukunft mit erfüllten Wünschen und ohne Geldsorgen. So weit das Schauspiel. Doch dann folgt eine große Überraschung für die vielen Zuschauer. Das Schauspiel wird zu einer bewegenden Musikrevue von Zarah Leanders „Yes Sir" bis Torfrocks „Beinhart wie ein Rocker". So hat das Publikum die Akteure noch nie gesehen.
Was Sandra Thürasch als Autorin und Gesamtleiterin der Komödie mit Musik mit ihren Schauspielkollegen eingeübt hat, begeistert die Theatergäste hellauf.
Immer am Faden der eigentlichen Handlung spinnen die Darsteller ein Musical mit internationalen Hits. Und sie bringen Erstaunliches auf die Bühne. Mit passender Choreografie ertönen „Millionär" von Die Prinzen, in einer tollen Show ist „Surfin' USA" von den Beach Boys zu hören, unter rieselnden Blütenblättern erklingt „Für mich soll's rote Rosen regnen" von Hildegard Knef.
   Unausgesprochene Träume
Und ganz nebenbei stellen die handelnden Figuren ihre spezifischen Charaktere und ihre bislang unausgesprochenen Träume vor, finden in der guten Freundin eine unverhoffte Liebe oder entdecken ihre Zuneigung füreinander.

Lediglich die schlechte Ortung der Sprechstimmen, die durch das für den Gesang notwendige Benutzen von Mikrofonen bedingt war, bot ein kleines Manko. Außer dem Szenenapplaus erhielten die Schauspieler und Sänger einen riesigen Schlussapplaus von den begeistert johlenden Zuschauern. Wer die Premiere verpasst hat, bekommt am Wochenende, 20. und 21. April, erneut die Möglichkeit, das Musical der Zeitlosen zu besuchen. Sie führen es jeweils ab 20 Uhr in der Aula des Soltauer Gymnasiums auf. Es lohnt sich.
Kartenvorverkauf in den Buchhandlungen Hornbostel, Schütte, Ohlhoff und unter http://www.die-zeitlosen.com/onlinekartenverkauf.html 

Quelle Böhmezeitung 18.04.2012

Nach der Eröffnung des Testaments versammeln sich die möglichen Erben und der Testamentsvollstrecker auf dem Dachboden des Hardenbergschen Anwesens (von links) Karin Hagen, Sandra Thürasch, Ines Dobrindt-Bein, Ina Trosin, Erika Dobbrick, Frank Martin Saß, Denise von der Ahe, Christian Böhme, Volker Thürasch, Sascha Ossowski und Maren Schwellenbach. Foto: akü

Die Reicheprüfung - eine Zuschauermeinung

Lesereporter Cineast war zu Gast bei der Soltauer Theatergruppe "Die-Zeitlosen"

Leserreporter Cineast.
Angeführt von einem Dudelsackspieler nehmen einige Personen von einem Verstorbenen Abschied und tragen dessen Urne (auf der Bühne) zu Grabe.
Anlässlich der Testamentseröffnung treffen sie sich mit dem gemütlichen Notar (Frank Martin Saß) und seiner unkonventionellen Gehilfin Fräulein Püppi (Ina Trosin) auf dem Dachboden der Villa des Verstorbenen, der eine unwahrscheinliche Ähnlichkeit mit Sean Connery aufwies. Unter ihnen befinden sich die ambitionierte und immer „zeitlose" Rechtsanwältin des Erblassers (Sandra Thürasch), sein einfach gestrickter Hausmeister (Volker Thürasch), die pflichtbewusste Haushälterin (Ines Dobrindt-Bein), seine Physiotherapeutin und heimliche Tochter (Erika Dobbrick), der personal trainer, „nicht Personal Trainer" (Christan Böhme), dessen „gute" Freundin Sophie (Denise von der Ahe), der sympathische aus Schottland angereiste Sohn des besten Freundes des Erblassers, der quasi mit zur Familie gehört (Sascha Ossowski) samt Freundin (Maren Schwellenbach) sowie eine gute und alte, divenhafte Freundin des Verstorbenen (Karin Hagen).
Notar von Erhardtshausen, der scheinbar zufälligerweise immer genau den passenden Heinz-Erhardt-Spruch auf den Lippen parat hat, eröffnet den dort Versammelten, dass diese zunächst den Dachboden (auf) räumen und die dort vorhandenen Gegenstände unter sich aufteilen müssen, ehe er einen zweiten Umschlag öffnen dürfe und bekanntgeben werde, wer das gesamte Erbe erhält. Dies führt unter den Anwesenden zu diversen Träumereien und Offenbarungen. Doch auch manch eine Sorge und Geheimnis werden im Laufe des Stücks aufgedeckt. Was wird aus den Angestellten, die auf dem Besitz wohnen? Hat die bislang unbekannte Tochter doch einen Anspruch auf das Erbe, obwohl ihr Vater davon nichts wusste? Doch auch die Liebe kommt nicht zu kurz - sei es die Liebe zum Vater, die vermeintliche Liebe zum Beruf oder die Liebe zu einem Anderen. Wird sie/er es merken, dass sie sich lieben? Am Ende entdecken sie alle, selbst der Notar, was wirklich zählt und auf wen sie zählen können. Doch wer erhält letzten Endes das Erbe?

     Extraklasse

In drei Vorstellungen bot die örtliche Theatergruppe „Die Zeitlosen" mit der „Reicheprüfung" an den vergangenen beiden Wochenenden in der Aula des Gymnasiums mal wieder ein Stück der Extraklasse in Soltau auf. Kurzweilig, unterhaltsam, lustig und lohnenswert. An manchen Stellen aber auch nachdenklich. Ob Neben- oder Hauptrolle - für eine Laientruppe lieferte das gesamte Ensemble über die knapp dreistündige Verantstaltung eine wirklich hervorragende Schauspiel- und Gesangsleistung ab. Für die Zuschauer wirkten alle sehr textsicher und die Pointen saßen. Selbst kleine Malheurs wie ein zwischenzeitlich ausgestöpseltes Mikrofon wurden gekonnt improvisiert.
Auch gesanglich boten Die Zeitlosen einiges. Die Liederauswahl, immerhin 24 an der Zahl während des gesamten Stückes, passte wunderbar zur Handlung. Angefangen von „Millionär" von den Prinzen über Madonnas „Material Girl", Torfrocks „Beinhart", Dolly Partons „9 to 5" bis hin zu The Pointer Sisters „I'm so excited", Hildegard Knefs „Für mich soll's rote Rosen regnen" und Michael Boltons „Lean on me", ob Rock, Pop oder Ballade, ob ruhig oder laut, die Töne saßen. Und selbst wenn nicht, ließen sie es die Zuschauer nicht merken. Bei einer so tollen Darbietung konnte man über den stellenweise miserablen Ton in der Aula getrost hinweghören. Erwähnenswert sind außerdem das liebevolle, detaillierte Bühnenbild und die passenden Kostüme.
Auch für das leibliche Wohl war wie immer gesorgt. Heiß- und Kaltgetränke sowie kleine Knabbereien zu günstigen Preisen verkürzten die Pause. Am Ende der Vorstellung gab es daher völlig zu Recht minutenlang Standing Ovations. Bitte mehr davon. 00408