Die Zeitlosen - Theater aus Soltau

Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht (2005)

Herrlich komische „Kunstwerke“

Die Soltauer Theatergruppe „Die Zeitlosen“ begeistern bei ihren Aufführungen in der Aula des Gymnasiums das Publikum

Soltau. Auch in diesem Jahr erfreute die Soltauer Theatergruppe „Die Zeitlosen" mit drei Aufführungen in der Aula des Gymnasiums ein begeistertes Publikum. „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht" („Pull out the Plug") des im Januar dieses Jahres verstorbenen israelischen Satirikers Ephraim Kishon stand auf dem Programm. Unter der umsichtigen und einfallsreichen Regie von Werner Küttner zeigte das engagierte, bühnenerfahrene Laien-Ensemble wieder einmal, zu welch geradezu erstaunlichen schauspielerischen Leistungen es fähig ist. Lustige Bühnenbilder und herrlich komische „Kunstwerke" von Susanne Schulz riefen viel Beifall hervor.
Hinter dem unverständlichen Titel des 1968 geschriebenen Stückes verbirgt sich eine launige Parodie auf den zeitgenössischen Kunstbetrieb, auf die zeitgenössische abstrakte oder die Gegenstände verfremdende Kunst. Mit immer neuen drolligen oder auch bissigen und tiefsinnigen Bemerkungen wird über Lüge und Betrug bei Kunstwerken, die kein Mensch versteht, bei ihrer Vermarktung, diskutiert.
In der rummeligen Atelier-Bude des jungen, erfolglosen Malers Raphael Schlesinger (Volker Thürasch) vermeint der Kunstkritiker (Sören Bein) in einer Stapelung von Möbeln, über die der einzige Stromanschluss an der Zimmerdecke zu erreichen ist, eine fulminante Plastik zu sehen. Als die Freundin des Künstlers Dahlia (Cindy Franitzek) ruft „Zieh den Stecker raus..." wird dies der Titel des „einzigartigen Kunstwerkes" - und Schlesinger wird berühmt. Ein verträumter, unfähiger Rundfunkreporter (Thomas Reichel) berichtet über ihn, ein exzentrischer Kunsthändler (Frank Martin Saß) bringt ihn nach Paris. Dort lernt er eine herumgammelnde Künstler-Clique kennen. Jaquot (Markus Franitzek) malt mit Hilfe eines Spielzeug-Autos in seiner „roten Periode" die Tänzerin Simone (Diana Meyer) ganz in Blau. Gogo (Marcus Fensky) hat aus zwei Gartenstühlen eine „Äffin" gebastelt, Mon Cherie (Kirsten Wierstorf) macht alle Männer an.
Um Mitternacht erscheint der Geist des großen Rembrand van Rijn (noch einmal Markus Franitzek) und versucht sich unter Anleitung von Raphael in der neuen Methode zu malen: Aus dem Handgelenk klatscht man wahllos bunte Farbe auf die Leinwand - aber bei Rembrand wird eben doch „Die Nachtwache" draus... Sind es die bewundernden Kunstsammler wie Mr. Green aus den USA und seine Frau (Richard Rhyssen und Bärbel Schulz), ist es die angereiste Dahlia? Raphael erkennt mehr und mehr, dass seine Berühmtheit auf Scharlatanerie und Betrug beruht. Bei der großen Ausstellung moderner Kunst, die vom Minister (Andreas Röders) eröffnet wird, versucht er sogar - vergeblich - handfest zu demonstrieren. Dabei ist durch ein Missverständnis der Galeriedie-ner (Werner Küttner und Thorsten Vorwerk) statt des zum Stromanschluss führenden Möbelturms seine bunt verschmierte Arbeitsleiter als bedeutendes Kunstwerk in die Galerie gelangt. Nichts zu machen, allen voran findet der Minister auch sie „tres interessant", und alle klatschen Beifall.

Von Dr. Almuth Behrmann (entnommen der Böhme-Zeitung 19.4.05)